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Nero News, Teil 4: Nero im Katastrophengebiet


Hallo Ihr Lieben, ich bin`s, Euer Nero. Heute habe ich Euch etwas sehr Eindrucksvolles zu berichten. Ich war gestern nämlich mit meiner Freundin Anna und deren Freundin Isi im Ahrtal. Vielleicht könnt Ihr Euch ja an die schlimmen Hochwasser im vergangenen Sommer erinnern? Ganz stark betroffen davon waren die Menschen, die entlang des kleinen Flusses Ahr leben. Vor einem halben Jahr haben so viele von ihnen über Nacht alles verloren, was ihnen gehört hat. Die Wassermassen haben entweder alles mitgerissen oder das, was noch da war, zerstört. Alles, was wir so gerne haben wie unsere Spielsachen, unsere Möbel, Fotos von unseren lieben Mitmenschen, Lebensmittel oder Kleidungsstücke hat das Wasser davongespült. Seit einem halben Jahr versuchen die Anwohner, ihre Häuser und auch ihr Leben wieder aufzubauen oder zu reparieren. Doch das braucht Zeit. Und gerade jetzt in der Weihnachtszeit wünschen wir uns doch alle, gemütlich zuhause sitzen zu dürfen, wir möchten uns über kleine Geschenke freuen und wollen doch keine Sorgen haben. Deshalb sind Anna und Isi mit mir aufgebrochen - wir wollten einmal schauen, ob wir drei dort ein bisschen Freude verbreiten können.


Doch der Reihe nach. Begonnen hat alles mit Isis wunderschönem, hellblauem Kaufladen, mit dem nicht nur sie und ihr Bruder, sondern auch schon ihre Mama mit ihren Geschwistern gespielt hat. Über 50 Jahre hat der schon auf dem Buckel und ist dafür echt noch gut in Schuss. Deshalb dachte Isi sich, dass sich darüber vielleicht noch andere Kinder freuen können. Und wer hat ein solch tolles Geschenk mehr verdient, als ein Kind, das wegen der Flut alle seine Spielsachen verloren hat? Niemand. Also beschloss die liebe Isi, sich mit dem Kaufladen und noch ein paar anderen schönen Dingen für die Kinder auf den Weg ins Ahrtal zu machen. Das haben Anna und ich mitbekommen und wir waren gleich Feuer und Flamme! Da wollten wir dabei sein; denn wenn wir etwas können, dann Kinderaugen zum Leuchten bringen. Und da Ihr alle in vergangenen Wochen so viele Nero-Bücher zu Spendenzwecken gekauft habt, konnten wir mit 60 Nero-Büchern dabei sein.


Unsere erste Anlaufstelle war der Lichtblick SpAHRmarkt in Sintzig. Hier können gut erhaltene Sachspenden abgegeben und von den Flutopfern kostenlos abgeholt werden. Und zum Glück gibt es dort schon sehr viel: Klamotten, Haushaltswaren, Kindersachen, Fahrräder und sogar ein bisschen Weihnachtsdekoration. Alles zum größten Teil gebraucht, aber so gut erhalten, dass man damit in jedem Fall etwas anfangen kann. Im SpAHRmarkt arbeitet neben vielen anderen Menschen die liebe Dorothee; ehrenamtlich; das bedeutet, sie bekommt für ihre Arbeit kein Geld. Sie koordiniert die Spenden, so gut es geht und steht in direktem Kontakt zu einigen "Opferpaten": Das wiederum sind ebenfalls liebe und so wichtige Menschen, die sich um eine oder mehrere Familien im Katastrophengebiet kümmern. Und eine der Patinnen betreut ganze zehn Familien; sie hatte vor einigen Tagen bei Dorothee gefragt, ob es im SpAHRmarkt vielleicht einen gebrauchten Kinderkaufladen gäbe. Denn eines der Kinder, das sie betreut, wünscht sich so sehnlich einen Kaufladen zu Weihnachten. Na, wenn das kein Zufall war? Und da die Patin ja so viele Kinder betreut, haben Anna und ich auch gleich einen großen Schwung meiner Abenteuer für sie dagelassen.


Im SpAHRmarkt haben wir auch die Eltern vom kleinen Jonah (das ist der Junge auf dem Bild) kennengelernt. Auch sie leben in einem Haus, vor dem die Wassermassen nicht Halt gemacht haben. Wir alle haben uns auf Anhieb gut verstanden. Und da Isi, Anna und ich von Sintzig, einem Ort der glücklicherweise selbst nicht von der großen Flut heimgesucht wurde, noch weiterfahren wollten, um uns das Ausmaß der Katastrophe anzuschauen, haben uns die beiden kurzerhand zu sich nach Hause eingeladen. Sie fügten hinzu: "So schlimm ist es bei uns nicht gewesen, aber ihr dürft gerne gucken kommen." Diese beiden Sätze hatten wir im Ohr, als wir in ihrem Haus standen, dessen Erdgeschoss nur noch ein Rohbau war. Dieses war komplett unter Wasser und unter Schlamm gestanden. Sie berichteten: "Am späten Nachmittag fuhr damals die Polizei hier durch die Straßen und verkündete durch Lautsprecher, dass wir am besten die Keller und Garagen ausräumen sollten, da sie mit Hochwasser rechnen. Um 22 Uhr klopfte die Feuerwehr an die Haustüren und riet uns, unsere Autos auf einem nahegelegenen Berg abzustellen. Und ab diesem Moment konnten wir zusehen, wie das Wasser in unser Haus eindrang und immer weiter anstieg. Irgendwann haben wir uns dann in den ersten Stock zurückgezogen. Wir hatten auch schnell keinen Strom und keinen Handy-Empfang mehr. Und es wusste ja keiner, wie weit das Wasser noch steigen würde. Also saßen wir in der Dunkelheit und warteten ab." Und das beschrieben die beiden mit "So schlimm ist es bei uns nicht gewesen."


Isi, Anna und ich können uns kaum vorstellen, was das für Ängste bedeutet und wir waren umso beeindruckter, wie offen, nett und herzlich uns die Eltern von Jonah empfangen hatten und uns von diesen schlimmen Stunden und der kräftezehrenden Zeit bis heute erzählten. Als wir uns verabschieden wollten, schickten sie uns mit den Worten "Wenn ihr noch sehen möchtet, wo das Wasser richtig gewütet hat, dann fahrt noch weiter bis Dernau." So richtig gewütet? Isi, Anna und ich hatten an der Außenfassade dieser Häuser ja schon gesehen, dass das Wasser einen Stand von zwei Metern erreicht hatte. Wie mochte es da wohl aussehen?


Wir stiegen also wieder ins Auto - auf zur nächsten Station. Ihr Lieben, wir alle drei können nicht in Worte fassen, was wir da sehen mussten. Es gab dorthin nicht einmal mehr eine durchgehende Straße, sogar die hat das Wasser mitgerissen. Ebenso Brücken, Häuser oder Bäume. Dort sieht es wirklich verheerend aus, und das, obwohl die Katastrophe bereits sechs Monate zurückliegt. Ein Anblick, der uns wirklich die Sprache verschlagen hat. Anna und ich hatten noch ein paar meiner Bücher übrig und auf Anraten der Eltern von Jonah wollten wir die im dortigen Tante Emma-Laden abgeben. Doch aufgrund der zerstörten Häuser, der fehlenden Straßenabschnitte, kaputten Brücken und dem ganzen Schutt, der noch überall lag, waren wir fast eingeschüchtert, so wie wir waren - ganz sorglos, mit neuen Klamotten, mit den tollen Büchern - einfach auf die Menschen dort zuzugehen. Doch auch hier durften wir schnell spüren, dass unsere Vorbehalte völlig umsonst waren. Alle Menschen, die sich im Tante Emma Laden mit dem Nötigsten eindeckten (hier gibt es vor allem Lebensmittel, aber auch die ein oder andere nette, gespendete Kleinigkeit) waren so herzlich, so offen und so glücklich darüber, dass wir den weiten Weg aus Stuttgart auf uns genommen haben, um ein bisschen Weihnachtsfreude mit ins Tal zu bringen.


Und das ist es auch, was wir für uns aus dem Ahrtal mitgenommen haben - und was wir an Euch weitergeben möchten: Die Menschen an der Ahr haben innerhalb weniger Stunden so viel Verloren: Besitztum, Geld und auch liebe Menschen und Erinnerungen. Trotzdem waren sie alle (und wir durften noch viel mehr kennenlernen, als die, von denen ich hier schreibe) ausnahmslos gut gelaunt, haben uns mit offenen Armen empfangen und uns unermüdlich und dankbar all unsere Fragen beantwortet. Davon MÜSSEN wir uns alle eine große Scheibe abschneiden. Denn in der Welt außerhalb des Ahrtals sind Dankbarkeit, Zusammenhalt und Herzlichkeit in dem hohen Maß, wie wir es dort erleben durften, leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

Ich bin sehr dankbar, dass wir drei diese Eindrücke haben sammeln dürfen und in unseren Köpfen spuken schon einige Ideen herum, wie wir im Ahrtal noch mehr tun können! Denn so viel ist sicher: Wir werden wieder dort hin fahren! Wir halten Euch auf dem Laufenden, versprochen! Bis bald, und frohe, gut gelaunte, sorgenfreie Weihnachtstage, Euer Nero


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